Ludwig Bohnstedt  (1822-1885) 
 

Der Architekt Professor Ludwig Bohnstedt wurde in St. Petersburg als Sohn deutscher Eltern geboren. Philosophische Studien führten ihn 1839 an die Berliner Universität, doch wandte er sich bald der Architektur zu und kam so u.a. mit dem Schaffen Karl Friedrich Schinkels in Berührung. Studienreisen nach Italien und Frankreich bereicherten seine Ausbildung, bis er 1843 nach St. Petersburg zurückkehrte. Hier wurde er in der Folgezeit zu einem sehr gefragten Baumeister. 1863 nahm er in der thühringischen Residenzstadt Gotha seinen ständigen Wohnsitz, wo er seine Fähigkeiten auch in den Dienst der Stadt stellte. Aber auch über die Grenzen Deutschlands hinaus konnte er seinen guten Ruf weiter festigen. Höhepunkt seines Schaffens war 1872 die Erringung des ersten Preises im international ausgeschriebenen Wettbewerb um das neue Reichstagsgebäude in Berlin unter 101 Bewerbern. Leider wurde der Bau 1884 nicht nach seinen Plänen, sondern nach einem Projekt des Frankfurter Architekten Wallot ausgeführt. Von Bohnstedt stammen in Gotha die Entwürfe für die Feuerversicherungsbank in der Bahnhofstraße 12, die Grundcreditbank in der Bahnhofstraße 5a, die ehemalige Notenbank am Ekhofplatz, alle im Stil der italienischen Renaissance gebaut. Weiterhin stammen von ihm u.a. die Villa Petermann in der Neubauerstraße, der Wohnkomplex Bürgeraue-Bergallee-Burgfreiheit sowie zahlreiche Bauten außerhalb Gothas, z.B. die Reuter-Villa in Eisenach. Der weit von der Stadt entfernte Bahnhof bekam mit der Bebauung der Bahnhofstraße nach einer von ihm entworfenen Konzeption eine harmonische Verbindung zum Stadtkern. Ludwig Bohnstedt gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Stadt sowie zu den bekanntesten, internationalen Ruf besitzenden Architekten des 19. Jahrhunderts. An den namhaften Architekten erinnert eine am Gothaer Stadtbad vorbeiführende Straße im Zentrum Gothas.