Wilhelm Bock  (1846-1931) 
 

Wilhelm Bock war durch sein Wirken für die deutsche Arbeiterbewegung mit dem Thüringer Raum und mir der Stadt Gotha eng verbunden. Als Sohn eines Arbeiters im thüringischen Großbreitenbach geboren, besuchte er hier die Volksschule und machte danach eine Schuhmacherlehre im benachbarten Arnstadt. Als der 23jährige Schuhmachergeselle nach mehrjähriger Wanderschaft im Frühjahr 1869 nach Gotha kam, machte er die 15 – 20 Mitglieder des hiesigen Arbeiterbildungsvereins mit den neuen Ideen aus der Arbeiterbewegung vertraut. Noch im gleichen Jahr nahm er am Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach teil und wurde einer ihrer aktivsten Agitatoren. Ein Höhepunkt der sozialdemokratischen Bewegung war der Vereinigungsprozeß der beiden Arbeiterparteien von August Bebel und Ferdinand Lassalle in Gotha, der vom 22. – 27. Mai 1875 im heutigen Tivoli stattfand und von Wilhelm Bock eröffnet wurde. Die Arbeit der Gothaer Sozialdemokratie erlebte in den darauffolgenden Jahren einen bedeutenden Aufschwung. Wilhelm Bock gab hier seit 1875 das zentrale Gewerkschaftsorgan der Schuhmacher, den "Wecker", und seit 1877 für die Sozialdemokratie im Herzogtum den "Gothaer Volksfreund" heraus. Trotz dem von Bismarck erzwungenen Sozialistengesetzes konnte 1884 mit Wilhelm Bock zum ersten mal ein Arbeiterabgeordneter aus dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha in den Reichstag einziehen. Dieses Mandat behielt er bis zum Jahre 1907 und eroberte es im Jahre 1912 erneut. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges appellierte Wilhelm Bock an die Vernunft und entschied sich für eine Ablehnung der Kriegskredite. Im April 1917 war Wilhelm Bock Mitbegründer der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) in Gotha, in der sich die kriegsgegnerischen Sozialisten Deutschlands zusammenschlossen. Er vertrat hier den gemäßigten Flügel und lehnte eine Vereinigung mit der KPD strikt ab. Während der Novemberrevolution gehörte Wilhelm Bock dem Rat der Volksbeauftragten an. Auf der Kundgebung am 09. November 1918 auf dem Hauptmarkt in Gotha sprach er sich für die Absetzung des Herzogs und für eine Soziale Republik aus. Neben seinem politischem Wirken in der deutschen Arbeiterbewegung setzte sich Wilhelm Bock auch für die Bildung des Landes Thüringen ein. Zur Würdigung seines Wirkens trägt eine Straße im Norden Gothas seinen Namen.